Blühstreifen an der Mühle (genauer betrachtet)

Wir möchten Ihnen einige Blütenpflanzen unseres aktuellen Blühstreifens vorstellen. Letztes Jahr dominierten hauptsächlich die wunderschönen roten Mohnblumen und die blauen Kornblumen das Erscheinungsbild. Dieses Jahr sind es vor allem die Margeriten und andere mehrjährige Blumen die auf sich aufmerksam machen und vielen Insekten als wertvolle Futterpflanze dienen.

Widerstehen Sie bitte dem Drang einen Wiesenblumenstrauß zu pflücken! Legen Sie sich stattdessen auf die Lauer und beobachten Sie wer diese kleinen Schönheiten zum Nektar und Pollen sammeln besucht. Sie werden begeistert sein.

Natternkopf

Der Gewöhnliche Natternkopf ist eine zwei- oder mehrjährige, krautige Pflanze. Seine Stängel sind aufrecht und an ihnen sowie an seinen Blättern befinden sich borstige Härchen. Auf der grünen Grundfärbung des Stängels zeigen die meisten Exemplare dieser Pflanzenart kleine, dunkelrote Flecken. Anfangs sind die Blüten rosafarben bis violett und später blau.

Als Raupennahrung spielt diese Pflanzenart nur für die Raupen des Distelfalters eine Rolle.
Dagegen gilt der Gewöhnliche Natternkopf als sehr hochwertiger Nektarlieferant für Bienen und Schmetterlinge. Zu den tagaktiven Faltern, die sich von seinem Nektar ernähren, gehören verschiedene Dickkopffalter, der Distelfalter, der Große Kohlweißling, der Schwalbenschwanz  und Nachtfalter wie der Mittlere Weinschwärmer.

Nickende Distel

Die Nickende Distel gehört zur großen Familie der Korbblütler und war 2008 sogar Blume des Jahres. Im ersten Lebensjahr entwickelt sie lediglich eine Blattrosette und erst im zweiten Jahr wächst dann der Spross empor, an dem im Hochsommer der leicht überhängende, bis zu sechs Zentimeter große Blütenstand erscheint.

Die Nickende Distel ist Nahrungshabitat für Schmetterlingsraupen und andere Insektenlarven sowie für körnerfressende Vögel wie den Stieglitz. Sie ist Bienen- und Hummelweide sowie Futterpflanze für zahlreiche Falterarten, darunter Feuriger und Großer Perlmuttfalter, Graubindiger Mohrenfalter und Mattscheckiger Braundickkopffalter.

Kornrade

Die Kornrade, bis in die 1960er Jahre eine weit verbreitete Ackerbegleitpflanze. Sie ist extrem giftig, besonders für Weidevieh wie Rinder, Pferde und Schafe, aber auch für den Menschen. Für Insekten aber ist sie mit ihrer ausgesuchten, schlichten Schönheit eine wertvolle Pollen- und Nektarpflanze.

Früher war die Kornrade aufgrund ihrer Giftigkeit zu Recht gefürchtet, besonders durch mangelhafte Methoden in der Saatgutreinigung war es nur sehr schlecht möglich, ihre Samenkörner aus der Getreideernte hin auszufiltern, so dass es sogar durch Brotverzehr immer wieder zu Vergiftungen kommen konnte.

Durch den Einsatz von immer effizienteren Maschinen bei der Erntereinigung konnte diese Gefahr zunehmend gebannt werden. Der Kornrade wurde jedoch – wie so vielen anderen Ackerbegleitpflanzen – der massive Pestizideinsatz unserer Agrarindustrie zum Verhängnis – in Deutschland steht sie auf der Roten Liste gefährdeter Arten mit der Stufe 1 als vom Aussterben bedroht.

Die Kornrade eignet  sich auch hervorragend zur Gründüngung und als Pionierpflanze auf Böden, die rekultiviert werden müssen. Sie stellt keine hohen Ansprüche an den Boden, keimt recht schnell und entwickelt sich zügig. Die Kornrade ist in der Lage, die Infektionskette, die sich wegen falscher Fruchtfolge in einem Gartenboden eingeschlichen hat, zu durchbrechen. Ihr Nektar und ihre Pollen sind dank der weit geöffneten Schalenblüten für Insekten gut erreichbar

(Mühlentechnische Anmerkung am Rande: Die runden Samen der Kornrade wurden mit einem Trieur aus dem übrigen Getreide herausgefiltert. Auch in der Motormühle in Lechtingen gibt es einen Trieur!)

Taubenkropf Leimkraut

Taubenkropf-Leimkraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 50 Zentimetern erreicht. Die Wurzeln können bis in eine Tiefe von 1 Meter eindringen.

Obwohl die Blüten den ganzen Tag geöffnet sind, verströmen sie nur in den Nachtstunden einen kleeartigen Duft, um die Insekten anzulocken. An den Nektar, tief in ihrem Kelch, kommen nur langrüsselige Bienen und Nachtfalter. Hummeln umgehen diese Hürde, indem sie ein Loch in den Kelch beißen, um an den Nektar zu gelangen, dabei wird die Blüte aber nicht befruchtet.

Acker –Witwenblume

Weil sie ein verlässlicher Nektarlieferant ist, wird die Acker-Witwenblume von einer Vielzahl von Insekten besucht. Zu den Schmetterlingen, die an ihr trinken, gehören unter anderem das Große Ochsenauge, der Kleine Kohlweißling, das Schachbrett, der Schwalbenschwanz und das Tagpfauenauge.
Als Raupenfutterpflanze spielt die Acker-Witwenblume in Bezug auf ganz Deutschland für einige Arten ebenfalls eine Rolle. Zu den Arten, deren Larven sich von ihr ernähren, gehören unter anderem der Skabiosen-Scheckenfalter und der Skabiosen-Schwärmer.

Färber-Wau

Reseda luteola auch Färber-Wau genannt ist eine sehr imposante Wildstaude die man hin und wieder auch mal am Wegesrand oder an Brachflächen sieht aber wie so manch andere Wildstaude auch, immer seltener.  Die teilweise bis 2m hohen gelb leuchtenden, schmalen und sehr lanzenförmigen Blütenstände mit ihren massig kleinen Blüten sind ideale Anziehungspunkte für viele Wildinsekten. Gerade die aussterbenden Sand- und Wollbienen sind auf solch eine Pflanze spezialisiert und von ihr abhängig. Auch Honigbienen und viele Schmetterlinge ernähren sich von dieser Reseda. Mit dem gelben Farbstoff des Färber-Waus lassen sich Textil- und Wandfarben sowie Pigmente für Kosmetika herstellen.

Rote Lichtnelke

Die Rote Lichtnelke, auch Rotes Leimkraut genannt, ist eine zweijährige Staude deren Wurzeln bis zu 50 cm tief ins Erdreich wachsen. Sie ist meist getrenntgeschlechtlich (zweihäusig). So gibt es entweder Exemplare mit weiblichen oder mit männlichen Blüten, selten kommen beide Geschlechter zusammen vor. Die Rote Lichtnelke ist deshalb auf Fremdbestäubung angewiesen. So tummeln sich überwiegend Tagfalter an den Lichtnelken, die mit ihren langen Rüsseln tief in den Kelch reichen. Hummeln sind erfinderisch und beißen ein Loch in die Kelchwand, um die süße Quelle anzuzapfen. Die Rote Lichtnelke ist auch eine begehrte Futterpflanze für Schmetterlingsraupen. Vor allem die Lichtnelken-Eule, ein graubrauner Nachtfalter, legt je ein Ei in die Blüten, die sie bestäubt hat. Daraus entwickeln sich Raupen, die sich von den Samen der Nelkengewächse ernähren.

Hornklee

Der Gewöhnliche Hornklee wird während der Blütezeit von allerlei Insekten besucht und ist eine wertvolle Nektarpflanze für Bienen und Hummeln. Darüber hinaus sind die Pflanzen auch für den Hauhechel-Bläuling und andere Bläulinge eine wichtige Futterpflanze – für Raupe und Falter. Der Hornklee enthält Blausäure. Trotzdem wird die Staude als Futterpflanze genutzt, da der Gehalt nicht hoch ist. Er reicht aber aus, um Schnecken  von den Pflanzen fern zu halten.

Fazit:

Dies war ein kleiner Ausflug in die Welt unserer Blühpflanzen an der Lechtinger Mühle. Wir bedanken uns bei Jutta Albers, die diese kleine Zusammenfassung erstellt hat. Vielleicht findet der eine oder andere ja auch noch mehr interessante Blühpflanzen auf unseren blühenden Flächen. Dann sind wir für Hinweise immer dankbar. Vorerst genießen Sie den Anblick und gönnen Sie den Wildbienen und anderen Insekten ihren gedeckten Tisch.
Um auch allen Insekten eine geeignete Unterkunft anzubieten wird demnächst noch eine weitere Wildbienenwand an der Mühle errichtet.

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