Trafoturm wird zur „Stele der Biodiversität“

Nebengebäude der Lechtinger Mühle erhält eine neue Zweckbestimmung

Von Joachim Dierks

Der zum Mühlenkomplex in Lechtingen gehörende ehemalige Trafoturm wird in einen „Artenschutzturm“ umgewandelt. Spendengelder ermöglichen die äußerliche Neugestaltung, in deren Zuge auch Bauschäden beseitigt werden. Die Mausefallenausstellung wird nach Abschluss der Arbeiten wieder einziehen.

Eine erste Sanierung des Mauerwerks vor etwa zehn Jahren hatte sich als nicht nachhaltig erwiesen. Der Putz bröckelte, es musste etwas gegen die eindringende Feuchtigkeit getan werden. Der Zufall wollte es, dass beim 25. Deutschen Mühlentag 2018 ein Trafo-Experte mit dem Vorstand des Lechtinger Mühlenvereins ins Gespräch kam. Michael Sonfeld hatte in seiner aktiven Berufszeit im Dienste von innogy SE und Westnetz GmbH mit überflüssig gewordenen Liegenschaften wie Trafotürmen zu tun. Als Rentner kümmert er sich nun ehrenamtlich um die Transformation der Transformatorenhäuser. Er berät und begleitet örtliche Initiativen, wenn sie sich für eine Nachnutzung etwa als industriehistorische Landmarke, Heimatmuseum oder Artenschutzturm stark machen. Er gab den Lechtinger Mühlenfreunden den Tipp, sich mit der Initiative „Artenschutz in Franken“ kurzzuschließen. Sie hat ausgearbeitete Konzepte für die Umwandlung von Trafohäuschen in „Stelen der Biodiversität“ in der Schublade und weiß um Fördermöglichkeiten.

Der Hinweis war gut. Die Deutsche Postcode-Lotterie und die Audi-Stiftung für Umwelt machten 63000 Euro für die Umgestaltung locker. Im Mai 2020 startete die Restaurierung des Transformatorenhäuschens mit der Erneuerung des Dachs, der Entfernung des Außenputzes und dem Einbau von über 40 Nistmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse. Jede Gebäudeseite erhielt vier Fledermauskästen, davon drei für den Sommerbetrieb und einen isolierten als Winterunterkunft. Daneben wurden an drei Seiten noch jeweils 4 Nistkästen mit unterschiedlichen Einfluglöchern für Höhlenbrüter wie Meisen oder Mauersegler eingebaut. Als tatsächlicher Höhepunkt kommt ein Turmfalkennistkasten oben in das Gebäude. Er soll mit einer Webcam ausgestattet werden. Der Lechtinger Artenschutzturm ist der erste und einzige in Niedersachsen. In ganz Deutschland gibt es bislang ein gutes Dutzend.

Eine „Stele der Biodiversität“ ist aus dem ehemaligen Trafogebäude geworden. Foto: Joachim Dierks.

Ein besonderes Schmankerl ist die äußere Bemalung des Turms. Der aus Kirchensittenbach in Franken stammende Designer und Illustrator Michael Horn hat das Thema „Ein Mäuseleben“ mit humorvollen, dabei zoologisch exakten Malereien auf die Fassaden gebracht. Er schlägt damit eine Brücke zu der Mausefallenausstellung, die nach Fertigstellung des Innenputzes wieder einziehen wird, und zur Müllerei, die schon immer in einem gewissen Spannungsverhältnis zur Maus steht. Für Horn ist es die neunte Arbeit mit Türmen im Dienste des Artenschutzes. „Aber dies ist mein erster Mäuseturm“, berichtet der Künstler, „und damit eine Herausforderung“. Er hat sich zuvor intensiv nicht nur mit dem Aussehen, sondern auch mit den Verhaltensweisen, dem Lebensraum und den natürlichen Feinden der verschiedenen Mäusearten jenseits der Mausefalle des Müllers beschäftigt. Da ist auf einer Gebäudeseite etwa die Hausmaus, die der Mausefalle gerade noch entwischt ist, nun aber von der Schleiereule erwartet wird. Oder der Fuchs, der der Feldmaus auflauert. Oder der Turmfalke, der angreift, aber die Rötelmaus schlägt ihm ein Schnippchen und verschwindet im Dielenboden der Mühle. Die lebensnahe Bemalung des Turms macht ihn zu einem echten Hingucker und dürfte die Attraktivität des Mühlenensembles als Ziel des Nahtourismus weiter steigern.

Separater Kasten?

Der Trafoturm an der Lechtinger Mühle

ist ein Stück Mühlengeschichte und besitzt daher für die Mühlenfreunde Denkmalwert. Er steht für den Wandel in der Antriebsenergie. Die Windverhältnisse erwiesen sich schon um 1900 als nicht optimal für den Standort einer Windmühle. Deshalb wurde neben der Windmühle eine Motormühle errichtet. Die Elektromotoren benötigten viel Kraftstrom, den der normale Hausanschluss nicht liefern konnte. In den 1930er-Jahren installierte der Stromversorger einen Transformator mitsamt dem dafür notwendigen Turmgebäude. Um 1964 wurde der Mahlbetrieb eingestellt und nur noch Landhandel betrieben, die Umspannanlage war in dieser Dimension überflüssig. Spätestens als die Stromzuleitung unter die Erde verlegt war, wurde der Trafoturm für den Stromversorger RWE zu einem Klotz am Bein. Er baute das alte elektrische Innenleben aus und schenkte 2005 das Trafogebäude dem Mühlenverein, um zukünftige Unterhaltskosten zu sparen. Er legte sogar noch einen Geldbetrag in Höhe der sonst fällig gewordenen Abbruchkosten oben drauf. Während das übrige Mühlenensemble im Eigentum der Gemeinde Wallenhorst steht und der Mühlenverein lediglich Pächter ist, darf er sich im Falle des Trafoturms und des zugehörigen Grund und Bodens selbst Eigentümer nennen. Eine neue Nutzung war schnell gefunden: Die zuvor nicht optimal untergebrachte Mausefallen-Ausstellung des Mühlen- und Mäuse-Freundes Wolfgang Himmel hielt 2013 Einzug im Trafohäuschen.

Die Mausefalle am Mäuseturm. Illustrator Michael Horn (rechts) und Mühlenvereinsvorstand Ansgar Vennemann studieren die Entwürfe für die Bemalung des ehemaligen Trafohäuschens an der Lechtinger Mühle. Foto: Joachim Dierks.

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