Artenschutzsteele bietet Vögeln und Fledermäusen einen Unterschlupf

Osnabrück (MaK) – Am 1. Juni (Pfingstmontag) sollte in diesem Jahr der Deutsche Mühlentag stattfinden. Ein Ereignis, zudem Jahr für Jahr mehrere Hundert Besucher zur Lechtinger Mühle pilgern, die seit vielen Jahren teilnimmt. Die sanft geschwungenen Hügel in dem Wallenhorster Ortsteil erlauben einen weiten Blick in das Umfeld – und Bier und Bratwurst sowie eine Vielzahl kleiner Verkaufsstände machen die Veranstaltung für die ganze Familie attraktiv. Doch auch dem Mühlentag hat der Coronavirus den Stecker gezogen. Ein tragfähiges Sicherheitskonzept war unter den engen Raumverhältnissen des historischen Gebäudeensembles nicht umsetzbar.

Franz-Josef Albers und Ansgar Vennemann, beide Vorsitzende des Mühlenvereins Lechtingen, packen bei der Renovierung des Trafoturmes kräftig mit an. Foto: Martin Krause

Franz-Josef Albers und Ansgar Vennemann, beide Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Windmühle Lechtingen e. V.“, haben sich die Absage nicht leicht gemacht. „Besonders die Kinder erleben den Mühlentag als Abenteuer. Unter den derzeit erforderlichen Auflagen wie Sicherheitsabständen hätte das einen riesigen Aufwand für alle ehrenamtlichen Helfer bedeutet und für die Besucher wäre es trotzdem nicht wie gewohnt interessant und locker geworden. Darum haben wir uns entschlossen diesen Tag der offenen Tür ausfallen zu lassen“, so Albers. Zu tun gibt es aber auch ohne Großveranstaltung genug an der Lechtinger Mühle. In diesem Jahr konnte man endlich mit der Restaurierung des Trafoturmes beginnen. Er gehört zur Motormühle, gehörte einmal der RWE und diente der Energieversorgung des damaligen Elektromotors der Mühle. Inzwischen ist er Vereinseigentum. Der Zahn der Zeit nagte schon lange erheblich an seiner Substanz – Farbe und Außenputz bröckelten von der Fassade und Feuchtigkeit drohte die im Trafoturm untergebrachte Mausefallenausstellung zu beschädigen.

Durch gute Kontakte konnten jetzt Fördermittel eingeworben werden um den Trafoturm zum „Artenschutzturm“ umzubauen. Dazu beteiligt sich die Deutsche Postcode-Lotterie mit einer größeren Summe und die Audi-Stiftung für Umwelt ebenfalls mit einer erheblichen Summe an den Kosten des Umbaus. Anfang Mai 2020 startete die Arbeit an der „Steele der Biodiversität“, wie das Projekt heißt, mit dem Aufbau des Gerüstes. Anfang dieser Woche wurde das Dach erneuert und eine Fledermaus-Thermokammer im Dach eingebaut. Zurzeit wird der Außenputz komplett entfernt, über 40 Nistmöglichkeiten für Vögel (z. B. Mauerseegler, Turmfalken) und Fledermäuse in das Außenmauerwerk eingebaut, und schließlich der neue Putz aufgebracht. Als Höhepunkt wurde bei der Dacherneuerung ein Turmfalkennistkasten in die Wand eingebaut. Die Windmühlenfreunde wollen später versuchen, diesen Kasten mit einer Webcam auszustatten. Sobald die Nistkästen eingebaut sind wird das Gebäude neu gestrichen. Zu sehen sind dann nur noch die Einfluglöcher. Der Rest liegt innen im Gebäude. Zum Schluss kommt ein Kunst-Maler, der das ganze Gebäude noch mit bunten Motiven schmücken wird. Nach einer längeren Trocknungsphase muss später auch noch das Turminnere restauriert werden, bevor die Mausefallenausstellung Wiedereröffnung feiern kann. Der neue Artenschutzturm wird ein echter Hingucker und sicher dafür sorgen das kommende Mühlentage wieder neue Besucherrekorde verzeichnen werden. Auch wenn in diesem Jahr kein Fest stattfindet – bei gutem Wetter lohnt es sich, mit dem Rad die frühlingshafte Natur zu erkunden und sich an der benachbarten Blühwiese und dem darauf heranstürmenden Don Quijote zu erfreuen.
Der Mühlenladen hat – Corona zum Trotz – wöchentlich 2 Stunden geöffnet (Sa., 10–12 Uhr) und bietet biologisch angebautes Getreide.

Experten – extra aus Franken angereisten – haben dem Trafoturm eine neue Fledermaus-Thermokammer verpasst und anschließend das Dach neu eingedeckt. Die Eindeckung erfolgte mit Alu-Blechfalzziegeln, in die 2 Zugänge für die Fledermauskammer eingebaut worden sind. Foto: Ansgar Vennemann
Blick vomTrafoturm auf das Mühlenensemble

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