Es tut sich etwas an der Windmühle

Aufmerksame Mühlenfreunde und Beobachter werden es schon bemerkt haben: An der Windmühle tut sich etwas Großes. Derzeit werden umfangreiche Reparaturarbeiten durchgeführt. Dabei wird hauptsächlich das Dach der Mühlenkappe ersetzt. Für diese Arbeiten wird aktuell ein massives, stabiles Gerüst um die Windmühle errichtet. So entsteht an der Windmühle Lechtingen eine große Baustelle.
Die Bildergalerie zeigt, wie der Aufbau des Stahlgerüsts vonstattengeht.

Das Gerüst ist fertig

Nun ist es so weit. Die Windmühle ist bis zum Dach, also bis zur Mühlenkappe, eingerüstet. Die Gerüstbaufirma Wegener hat die vorbereitenden Aufbauarbeiten abgeschlossen. Das Gerüst umschließt die Mühle vollständig und ist etwa 16 Meter hoch. Für die anstehenden Arbeiten wurden fünf Stockwerksebenen geschaffen.

Was ist der nächste Schritt?

Der niederländische Mühlenbau- und Handwerksbetrieb Vaags wird das 40 Jahre alte Dach der Windmühle ersetzen. Nach dieser langen Zeit sind viele Schindeln verloren gegangen, und das Dach weist Löcher auf. Das Holz wurde durch die ständige Witterung stark angegriffen.

Ein Blick auf die Schindeln
Das 16 Meter hohe Gerüst ist fertig

Die Handwerker des Mühlenbaubetriebs Vaag haben die vielen Schindeln des Daches der Windmühlenkappe abgenommen. Die ständige Witterung machte es bei den meisten kleinen Eichenholzstücken einfach, sie zu entfernen. Die wenigsten sind dabei ganz geblieben. Die alten Schindeln waren gesägt und haben nun 40 Jahre gehalten. In letzter Zeit hat der Mühlenverein öfter einzelne Holzstücke auf dem Boden gefunden. Daher war es für uns schon länger wichtig zu handeln. Wir entschieden uns, vor diesem Reparaturauftrag über die oberste Stelle, dort, wo der meiste Regen auf das Dach trifft, eine Plane zu befestigen. So war das Innere besser geschützt. Der Antrag für die Erneuerung besteht bei uns schon seit längerer Zeit, und somit sind wir jetzt sehr froh und zuversichtlich, dass sie gut und nützlich für die Windmühle wird.

Windrose und Mühlentechnik

Zu dem Reparaturauftrag gehört auch eine umfangreiche Instandsetzung der Windrose, sowie der Ersatz des äußeren Winkelgetriebes. Dies gehört zur Mühlentechnik. Die Mechanik aus Windrose und Getriebe, dreht bei Windrichtungsänderung die gesamte Mühlenkappe durch eine zahntechnische Untersetzung wieder in Windrichtung. Dabei werden mehrere Tonnen Gewicht allein durch die Änderung der Windrichtung in Bewegung gesetzt. Auch die äußere Mühlentechnik ist der Witterung und dem Wind ausgesetzt und weist mit der Zeit Risse, Abnutzungen und Schäden auf. In diesem Auftrag erfolgt nun eine Instandsetzung des Windrosenbocks, der Windrose und der Zahnräder des Getriebes.
Dazu wurden mit einem Kran erst die Windrose mit Welle, dann die Balken des Windrosenbocks, weitere Balken der Mühlenkappe sowie Teile der Technik demontiert. Es wurde entschieden, alles, was zu große Schäden aufweist und statisch nicht mehr zu gebrauchen ist, zu ersetzen.
Die nachfolgenden Bilder zeigen sehr gut die Arbeiten und den Zustand der demontierten Teile.

Die neuen Schindeln sind angekommen

Eichenholz ist sehr stabil, robust und langlebig. Die alten Schindeln waren aus Eichenholz, doch sie wurden alle aus Baumstämmen längs gesägt.
Bei den neuen haben wir auf ein anderes Herstellungsverfahren gesetzt und gewinnen dadurch eine noch bessere Langlebigkeit. Die neuen Schindeln sind aus Eichenholz und gespalten. Bei gespaltenem Holz bleibt die Holzfaser erhalten und wird nicht geschnitten. Dadurch bietet das Holz eine höhere Stabilität und auch bei Unwetter, Wind und Regen ist es ein Vorteil.

Der Mühlenverein trifft Vorkehrungen und erledigt Arbeiten mit dem Gerüst

Wenn die Mühle in ihrer Ruhestellung ist, sahen sie die Flügel immer im sogenannten Andreas Kreuz. Für den Aufbau eines Gerüsts ist es nicht nutzbar. Der Mühlenbauer forderte, dass die Mühlenflügel in eine andere Stellung gebracht werden müssen. Eine Flügelroute sollte senkrecht und die andere waagerecht, somit muss das Gerüst nur einen Flügel einschließen. Außerdem wurde sich auf eine Stellung der Kappe geeinigt. Als das klar war, trafen sich die ehrenamtlichen Arbeiter des Mühlenvereins und brachten die Flügel und die Kappe in die richtige Stellung und sicherten alles mit Spanngurten und Balken.
Ein Bild vom Inneren der Kappe, Spanngurte sichern und danach folgte der Aufbau des Gerüsts.

Eine weitere Arbeit des Mühlenvereins betraf die Ausrichtung der Flügel und der Flügelwelle. Den Ehrenamtlichen war bereits seit längerem aufgefallen, dass die Flügelwelle nach unten gerutscht war und sich nicht mehr in ihrer ursprünglichen Position befand. Wie konnte das geschehen? Die Flügelwelle ist in der Kappe an zwei Stellen schräg gelagert. Vorne, wo die Flügel befestigt sind, befindet sich der sogenannte Katzenstein und am anderen Ende das Pennlager. Durch den langjährigen Betrieb der Windmühle hatten sich diese beiden Lagerstellen verschoben. Die Lager waren um wenige Millimeter, bis Zentimeter verrutscht, was erhebliche Auswirkungen hatte. Während des Betriebs entstanden Schleif- und Schabspuren unter der Flügelwelle. Zudem wurden andere Balken in Mitleidenschaft gezogen und erzeugten bei jeder Drehung Widerstand.
Das Problem wurde wie folgt gelöst: Die Sicherungen in der Kappe wurden angepasst, sodass die Flügelwelle mithilfe hydraulischer Stempel millimeterweise angehoben werden konnte. Der Katzenstein wurde wieder in Position gebracht und mit einer Siebdruckplatte unterfüttert. Zur Sicherung wurde vor dem Katzenstein eine Stahlplatte mit zwei verankerten Gewindestangen verspannt. Von innen wurden Muttern und weitere Schrauben angezogen. Dadurch ist das Lager nun gesichert. Außerdem wurden die äußeren Latten an der Vorderseite der Kappe ersetzt.

Der Katzenstein in alter Position und mit viel Fett belastet

Das Dach entsteht

In der Zwischenzeit hat auch der Mühlenbauer weitergearbeitet. Die neuen Schindeln werden angebracht. Ihre Form ist handwerklich besonders: Das nach unten zeigende Ende ist in der Tiefe breiter, während das obere Ende spitz zuläuft. Oben sind die Schindeln mit verzinkten Nägeln befestigt. Außerdem weisen alle Schindeln an den unteren Ecken zwei schräge Kanten auf. 
So entsteht auf der ersten Fläche wieder ein Dach.

Neuer Windrosenbock

Als der alte Windrosenbock abgebaut war, wurde die Fracht in die Werkhalle von Vaags in den Niederlanden gebracht. Es war klar, von dem alten Balken war nichts mehr zu gebrauchen also wird alles neu hergestellt. Der neue Bock besteht im Ganzen aus 7 Balken. Der „Kurzsprüt“ als letzter Querbalken der Kappe bildet die Basis. Zwei senkrechte Balken stehen auf der Basis und werden nach vorne und außen diagonal abgestützt. Die Konstruktion ist an jeder Holländer Windmühle individuell.
Ein Blick aus der Werkhalle des Mühlenbauers

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